Senioren helfen Schülern bei Bewerbung

Das Projekt „Alt hilft Jung“ in Ehingen zeigt generationenübergreifende Hilfe. Senioren, die selbst einmal erfolgreich im Berufsleben standen, geben ihre Erfahrungen an Schüler der Ehinger Michel-Buck-Schule und der Längenfeldschule weiter. Anstatt in die Schule gehen die neunten Klassen jetzt an zwei Tagen in die Seminarräume der Oberschaffnei, dort warten die Mitarbeiter der Gruppe „Alt hilft Jung“ um Jutta Wassermann, eine Untergruppe der Lokalen Agenda, auf sie. Zuerst wird mittels eines Tests in dem Seminar ausgelotet, welche Berufswünsche die Neuntklässler überhaupt haben. In einem kurzen Referat stellen sie dann einen Beruf vor, der für sie möglich wäre.

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In Kleingruppen wird weitergearbeitet, jeweils zwei Senioren betreuen dabei fünf Schüler. Ihre Arbeitsergebnisse stellen die Schüler den anderen Gruppen vor. Die Schüler sind in die Rolle des Firmenchefs geschlüpft und haben Anzeigen formuliert, wie sie sie aus der Zeitung kennen. Eine Firma „Metall am Bau“ suchte einen Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionsmechanik. Die Azubis von morgen haben sich überlegt, was sich wünscht sich der Firmenchef, was der Ausbildungsleiter, was die Mitarbeiter von ihrem neuen Kollegen. „Vertrauenswürdig sollte er sein, teamfähig, lernbereit, selbstständig und respektvoll im Miteinander“, stand in den von den Schülern formulierten Anzeigen. Julia und Luka und dann Georgios und Jakob stellten ihre Anzeige vor, mit der Bitte um Bewerbung bis zum 30. November.

Anschließend haben sie Bewerbungen für ihre eigenen Stellenanzeigen geschrieben. „Ihr müsst das Interesse des Chefs erreichen, deine Bewerbung muss ihm auffallen“, sagten ihnen ihre Betreuer Jutta Wassermann, Stephan Knöbl, Erich Brosch, Jörg Abigt, Max Leicht, Hans Batzer und Walter Vögele.

Eifrig machten sich die Gruppen mit ihren Mentoren an die Arbeit, Bewerbungen zu schreiben. „Der persönliche Teil gehört auf ein Extrablatt. Ihr müsst eure Eigenschaften auch begründen. Wenn ihr schreibt ich bin vertrauenswürdig, dann schreibt dazu, warum. Vielleicht, weil ihr jeden Tag mit der Oma einkaufen geht. Bei teamfähig kann man schreiben, ich bin in der zweiten Fußballmannschaft des SV Mittelstürmer“, schlug Jutta Wassermann ihnen vor. „Bei Interesse am Beruf macht es sich gut, wenn ein zukünftiger Mechanikerlehrling aufführt, dass er dem Vater bei kleineren Reparaturen am Auto hilft“, sagte Jutta Wassermann weiter. Die anderen Gruppen bewerteten anschließend diese Bewerbungen und entschieden „wird dieser Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen oder nicht“. Das nächste Seminar ist dann im Computerraum der Schule, wo die Bewerbungen korrigiert werden.

Es sind 16 Senioren, die seit neun Jahren bei „Alt hilft Jung“ mitwirken und ihre Erfahrungen an die Schüler weitergeben.

Eine große Hilfe auf dem Weg zur Berufsfindung sind auch die Bildungspartnerschaften mit den dazu möglichen Praktika. „Die Eltern meiner Schüler schauen schon, dass ihre Kinder Praktikumsplätze bekommen, aber das ist in manchen Klassen ganz anders“, sagte Lehrerin Carina Giehrt, die die neunte Klasse bei dem Seminar begleitete.

Stephan Knöbl erklärte: „Auch Negativerlebnisse sind gut bei einem Praktikum. Die Schüler werden dann realistischer in ihren Berufswünschen.“ Manchmal ist aber auch ein Praktikum ein richtiger Glücksfall wie bei Jenny, die im Pflegeheim arbeitete. Ihr gefiel die Arbeit so gut, dass sie bei einer anderen Praktikumsstelle absagte und um eine Woche verlängerte.

Der Berufswunsch Altenpflegerin steht seitdem fest, „es hat mir viel Spaß gemacht, auf die alten Menschen einzugehen und mit ihnen zu sprechen, auch wenn sie dement waren, dann habe ich einfach alles noch mal gesagt“, sagte sie.

(Quelle: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Senioren-helfen-Schuelern-bei-Bewerbung-_arid,10561635_toid,221.html entnommen am: 14.11.16)